Chronik der Freiwilligen Feuerwehr Leifers

Von der Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Leifers liegen wenige Unterlagen auf. Das Archiv, wie auch das andere Material mit Protokollbüchern ist 1939 von den Faschisten verschleppt worden. Aus Überlieferungen, die zum Großteil bewiesen sind, scheint folgendes auf:

Im Mai 1879 gründete ALOIS EBNER die Freiwillige Feuerwehr Leifers; er war Gemeinde-Vorsteher und wurde zum ersten Kommandanten gewählt. Alois Ebner blieb drei Jahre im Amt. In den ersten Jahren wurde die Mannschaft organisiert; das Werkzeug war sehr primitiv:

Ledereimer, eine Leiter und einige Feuerhaken.

Weitere Gründungsmitglieder: JOSEF EBNER, PETER PFEIFER, FRANZ SCANDELLA, DOMENIKUS NIEDRIST, DANIEL NEGRI, JOHANN ABRAM, EUGEN MICHELETTI und CÄSAR KURZL. Aus Berichten geht hervor, dass jeder, der damals der Feuerwehr beitreten wollte einen (oder zehn) Gulden zum Ankauf der Uniform zahlen musste.

1880 wurde die Wehr Mitglied des Tiroler Feuerwehrverbandes.

1882 übernahm CÄSAR KURZL die Kommandantschaft.

1894 wurde die erste Hydrophor angekauft; man bediente sich der Eimer, um das Wasser in die Pumpe zu leiten. Auch die ersten Hanfschläuche wurden angeschafft. In dieser Zeit soll auch der erste Großbrand bekämpft worden sein; es handelte sich um eine große Scheune im unteren Dorfteil.

1898 wurde ALOIS PFEIFER zum Kommandanten gewählt. Es wurde die erste Feuerspritze, eine verbesserte Ausführung der Hydrophor angekauft. Die alte diente für die Wasserzubringung. Für die damalige Zeit, eine gute Ausrüstung.

1901: Großbrand in der Schule in Pfatten; mit harter Mühe konnten die umliegenden Gebäude, der Schlosshof, gerettet werden. Die Wehrmänner und Helfer hatten mit grimmiger Kälte zu kämpfen, die sogar das Wasser in den Schläuchen gefrieren ließ.

clip1905 übernahm JOSEF VISINTIN das Kommando. Inzwischen hatte sich die Wehr zu einer starken Organisation entwickelt. Es gab damals schon eine Kommandantschaft, Steiger-, Spritzen-, Hydrophor-, und Schlauchmannschaft, sowie Sanitäter. Wenn es im Gemeindegebiet brannte, wurde zur Alarmierung die große Glocke « Sturm » geläutet; war der Brand außerhalb des Dorfes, läutete zuerst die kleine Glocke und dann die große. Johann Erschbaumer, Bauer am Maushof, gelegen oberhalb des « Peterköfele »‚ war beauftragt, das ganze Gebiet zu beobachten und bei Anfangsbränden mit dem Flügelhorn Alarm zu geben.

Brände:

1907 grosser Waldbrand;

1908 Stadelbrand bei Schuler Peppo;

1909 Grossbrand bei den Rauthöfen (Curti);

1910 Stadelbrand (GerberAlfred);

1912 Grossbrand (Gasthaus Gutleben).

Der erste Weltkrieg war ausgebrochen und im Jahre 1914 mussten sehr viele Wehrmänner zu den Waffen und die Mannschaft war auf eine kleine Gruppe zusammen geschrumpft.

1915 wurde FRANZ GAMPER (Kroan) zum Kommandanten bestellt und verblieb bis Kriegsende. Es folgten die turbulenten Nachkriegsjahre.

1918 war VIKTOR PERATHONER Kommandant.

1919 folgte HEINRICH PFEIFER.

Es kamen auch für die Feuerwehr Leifers harte Jahre. Die Mannschaft wurde erneuert. Es war die Zeit des großen Umbruchs, die Motorisierung zog auch in den Feuerwehren ein und, somit, die Modernisierung der Geräte.

1923 kaufte die Wehr eine Motorpumpe, für ganz Leifers eine Sensation und 1928 stellte man das erste Feuerwehrauto in den Dienst. Doch die alte Handfeuerwehrspritze wurde immer noch betätigt. Auch die Rettungsgeräte, Feuerwehrleiter(große), Schubleiter und Hakenleiter stammen aus dieser Zeit. All diese Geräte wurden mit gesammeltem Geld angekauft. Die Bevölkerung war sehr großzügig, wenn es um die Feuerwehr ging. Die Leiferer Wehr war schon damals eine starke Einheit. Im Mitgliederbuch von 1925 sind 75 Mann vermerkt und zwar so aufgeteilt: Kommando-Stab 9, Steiger 21, Motorspritze 14, Hydrophor 10, Schlauchmannschaft 12, Sanitäter 7, Hydranten 2 und Hornisten 2.

1929 wurde JOSEF KOCH zum Kommandanten gewählt. Er war schon einige Zeit als Stellvertreter tätig, somit ein enger Mitarbeiter des im selben Jahre verstorbenen Kommandanten Heinrich Pfeifer. In den folgenden Jahren wurde das Gerätehaus (damals im Widum untergebracht) eingerichtet. Immer besser wurden die Wehrmänner auf die neuen Geräte und auf sie zukommenden Aufgaben vorbereitet. In den 30er Jahren, es waren schwere Zeiten, nahm dennoch die Feuerwehr, als Hilfsorganisation, im Dorfleben den ihr gebührenden Platz ein. Es wurden im Jahre zehn bis zwölf Übungen abgehalten, meistens im Herbst, sowie eine Jahreshauptübung.

 clip_2Zu erwähnen: der Großbrand am 27.3.1932 im Dorfkern, wo vier zusammengebaute Scheunen abgebrannt sind; die angrenzenden Häuser konnten nur unter größter Mühe abgesichert werden.

Bald stand auch der zweite Weltkrieg von der Tür und 1939 wurde, von den damaligen Machthabern, die Feuerwehr kurzerhand aufgelöst und alle Geräte verschleppt. Doch nach einigen Jahren, 1943 als die Bombardierungen in den Städten Verheerungen anrichteten, wurde wieder unter Kommandant Josef Koch die Feuerwehr aufgestellt. Eine Gruppe zu alter und zu junger Männer, alle anderen waren ja im Krieg, fingen wieder von vorne an. Nach Kriegsende nahm die Freiwillige Feuerwehr-Leiters richtige Konturen an. Und wieder wurde gesammelt und gespendet, man veranstaltete Bälle und Feste, um der Wehr das nötige Geld zuzuführen. Die Anschaffung von Löschgeräten, besonders von Schlauchmaterial, erwies sich als äußerst kostspielig. Die Uniformen wurden angeschafft, endlich konnten die Wehrmänner einheitlich gekleidet werden. In dieser Zeit war auch die Tätigkeit sehr rege. Die Freiwillige Feuerwehr wurde des öfter zur Hilfeleistung gerufen:

Brand beim Hirschenhof, Stadelbrand bei Frasnelli, Grossbrand im Haus Martinelli

1956 wurde JOSEF SCOZ zum Kommandanten gewählt. Er war schon viele Jahre unter Komm. Koch Schriftführer und Kassier. Josef Koch, sowie sein Stellvertreter Peter Pfeifer, wurden zu Ehrenkommandanten ernannt. Unter Kommandant Scoz und dessen Stellvertreter Otto Koch begann in der Wehr die Umschulung zum Gruppensystem. Diese Ausbildungsmethode, die der langjährigen Erfahrung der österreichischen Feuerwehren entwachsen war, erforderte großen Einsatz und viel Übung. In dieser Neun-Mann-Gruppe wurde jeder zum vollwertigen bestausgebildeten Feuerwehrmann, nach dem Motto: « Einer für Alle, Alle für Einen ».

Die einzelnen Gruppen mussten ab nun Einzelübungen vornehmen. Bei den Geräten gab es verschiedene Umstellungen und es wurde das zweite Gruppenfahrzeug mit der dazugehörigen Kraftspritze angeschafft.

Der Großteil der dazu nötigen Geldmittel wurde mit dem Erlös aus Veranstaltungen finanziert, doch auch die Gemeindeverwaltung, die den Wert einer gut ausgerüsteten, schlagkräftigen Feuerwehr erkannt hatte, gewährte damals die ersten Beiträge. Bürgermeister-Stellvertreter Eduard Weis wurde von der Gemeinde als Feuerwehr-Referent eingesetzt. Für die Leiferer Feuerwehr begann die Zeit der Technisierung und der Erneuerung. Neue, junge Kräfte rückten heran und die Mannschaft, die 25 bis 28 Wehrmänner zählte, konnte auf 35 bis 38 erhöht werden.

1959, nach dem Tode von Kommandanten Scoz, wurde OTTO KOCH Kommandant und SILVIUS BURATTI zu dessen Stellvertreter ernannt.

Die Wehr wurde weiter ausgebaut, vielerlei Gerät angekauft, die synthetischen Schläuche fanden Einzug. Besonderes Augenmerk erhielt die Ausbildung. Wehrmänner besuchten die Schulungskurse in Innsbruck und Naturns. Das Neun-Mann Gruppensystem wurde immer markanter und es wurde die ganze Wehr in drei Gruppen eingeteilt.

Mit dieser Unterteilung wurde die Schlagkraft der Wehr bedeutend erhöht. Von den einzelnen Feuerwehrmännern wurden mehr Opfer und Einsatz verlangt. Im Interesse der Disziplin wurden einige Regeln eingeführt, die ihre Gültigkeit bis auf den heutigen Tag bewahrt haben. So war nur ein wirklich triftiger Grund, Entschuldigung für Fernbleiben von Übungen.

Dreimal unentschuldigtes, hintereinander vorkommendes Fernbleiben im Laufe eines Dienstjahres, hat den Ausschluss zur Folge. Die Einsätze der Wehr häuften sich. Die Arbeit beschränkte sich nicht nur auf Brände und Katastrophen-Hochwassereinsätze; sie erstreckte sich auf technische Hilfeleistung - Suchaktionen - Bergungen - Brandverhütung.

clip_3Routinemäßig werden die Hydranten überprüft, pünktlich werden die Jahreshauptversammlungen durchgeführt und auch alle Bezirkstage werden alljährlich besucht.

Da in der Feuerwehrkasse zumeist Ebbe herrschte, behalf sich die Wehr selbst, dieser das nötige Kleingeld zuzuführen; das war auch eine ihrer Aufgaben. Sammlungen, Feste und Bälle, sowie Treffen und Kegelwettbewerbe. Und die Bevölkerung folgte dem Appell. Die Leiferer hatten verstanden, dass die Feuerwehr kein Freizeitverein ist. Der Ruf « die Feuerwehr hilft euch - helft der Feuerwehr » verhallte nicht ungehört. Ein weiteres Geländefahrzeug mit Anhänger konnte angekauft und als Gruppenfahrzeug ausgerüstet werden.

Das alte Gerätehaus im Widum war schon längst zu klein geworden und der Ruf nach einem neuen zweckmäßigen Bau wurde immer lauter. 1959 wurden vom Kommandanten und dem Vize Bürgermeister Herrn Eduard Weis die Vorarbeiten in die Wege geleitet. Der Grund wurde von der Gemeinde ausgewiesen und der Plan vom Geometer Quartana gutbefunden. Mit dem Bau selbst konnte man erst im einigen Jahren beginnen. In diesen Jahren verstärkte sich die Wehr durch Neuaufnahmen junger Wehrmänner. Weiters wurden alle Schläuche und Armaturen auf Storz umgekoppelt. Auch wurde ein fahrbarer Trockenlöscher der Marke « Gloria P 250 » angekauft.

Neben den Löschgeräten — Ankauf der R.K. 35 Motorpumpe — wurde in diesen Jahren hauptsächlich der Fertigstellung des Gerätehauses und der Ausbildung der Wehr besonderes Augenmerk gewidmet.

1968 werden ein zweites Geländefahrzeug und ein Stromaggregat 5 K.V.A. mit zwei Scheinwerfern auf Dreifuss erworben. Zehn neue Feuerwehrmänner werden aufgenommen, einige ältere laut Altersgrenze außer Dienst gesetzt.

1969: Wie in vielen Orten Südtirols, wurde der erste Feuerwehrkalender der F.F. Leiters gedruckt und verteilt. Die Bevölkerung zeigte wiederum ihr großes Interesse für die Belange der Feuerwehr. Der Erlös diente zur Anschaffung und der 

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Einrichtung im neuen Gerätehaus. In diesem Jahr setzte die Wehr einen weiteren Meilenstein in der Tätigkeit ihrer Geschichte. Am 23. März 1969 wurde in Leifers der 14. Bezirkstag abgehalten. Das Gerätehaus (vor der alten Gemeinde) wurde eingeweiht und seiner Bestimmung übergeben und das neue Geländefahrzeug gesegnet. 50 Kommandanten und 240 Mann, sowie viele Festgäste waren anwesend. Das neue Gerätehaus und die Einrichtungen wurden bestaunt; großen Beifall erntete die, am Nachmittag abgehaltene, Schauübung.

1970: Das Gerätehaus wird weiter eingerichtet. Im Tiefparterre wird ein Katastrophendepot errichtet. Langsam entsteht das Bezirkslager. Leifers wurde immer grösser, man zählte fast 10.000 Einwohner, und es erwies sich als notwendig, eine zweite Sirene auf dem Magazin der « Kaiser - Alexander Genossenschaft » aufzubauen. Beide Sirenen sind gekoppelt und dienen auch dem Frostalarm. Mit Ausschussbeschluss vom 22.4.1970 wurden Landesrat Dr. Joachim Dalsass und Bürgermeister-Stellvertreter Eduard Weis zu Ehrenmitgliedern der Feuerwehr Leiters ernannt.

1971: Ankauf von 400 m vollsynthetischen B-Schläuchen und einer Schlammpumpe, sowie zweier Taucheranzüge.

1972: Die Wehr wurde clip_4immer stärker, dank auch der vielen Lehrgangsbesuchen in der Feuerwehrschule in Naturns. Um Brände, denen mit herkömmlichen Mitteln unmöglich beizukommen ist, besser entgegentreten zu können, beschloss man einen Tankwagen anzuschaffen. Gemeinde und Land sicherten einen Beitrag zu, doch zwei Drittel des Gesamtbetrages, rund 25.000.000.- Lire, wurden dank der großzügigen Unterstützung der gesamten Leiferer Bevölkerung in einigen Jahren aufgebracht. Die Wehr konzentrierte sich nun auf die Anschaffung dieses modernen Löschfahrzeuges. In der Ausschussitzung vom 19.7.1972 wird beschlossen, einen FIAT 684 mit Rosenbaueraufbau zu kaufen.

Im Jahre 1973 wurden weitere acht Wehrmänner aufgenommen. Von nun an muss jeder Neueingetretene den Grundlehrgang besuchen, damit wird die Eingliederung bedeutend erleichtert.In der Wehr werden die ersten Funkgeräte erprobt. Ende November wird das neue Tanklöschfahrzeug geliefert und ausgerüstet. Bereits am 28.12.1973 wird es mit Erfolg bei einem sehr gefährlichen Brand (Comunello), wo Kerosene und Gasflaschen lagerten, eingesetzt.

1974: Mit diesem neuen Tanklöschfahrzeug 200 P.S., 3000 lt. Wasser, 200 lt. Schaum, Wasserwerfer, sowie Hoch- und Normaldruck, sind schelle Einsätze möglich, die schon von wenigen Männern durchgeführt werden können. Am 5. Mai wird bei der traditionellen Florianifeier, im Beisein der Gemeinde- und Landesvertreter, unser Paradestück eingeweiht. Als Patin fungierte Frau Traudl Dalsass. Unter grossem  Interesse der Bevölkerung fand eine praktische Vorführung statt.

 clip_51975: Ankauf und Einweihung eines neuen VW Combi, drei fahrbarer und zwei tragbarer Funkgeräte, sowie neuer Lederstiefel und persönlicher Ausrüstung. Am 15.2. findet die erste ordentliche Jahreshauptversammlung statt, bei welcher die fälligen Neuwahlen durchgeführt werden. Wiedergewählt werden mit großer Mehrheit: Kommandant Otto Koch, Kommandant-Stellvertreter Severin Demattio, Schriftführer und Kassier Rudolf Ebner und Gerätewart Erich Gamper. Die Einsätze häufen sich immer mehr. In der Wehr wird die Funksprache eingeführt. Da die Wehr von Leifers noch keine Fahne hat, wird die Anschaffung einer solchen gefordert. Es wird ein Fahnenfond angelegt, der nur für diesen Zweck Verwendung findet.

1976: Dieses Jahr war von besonders starker Tätigkeit gekennzeichnet. Grosse Trockenheit im Frühsommer und anhaltende Regenfälle im Herbst sorgten für viele Einsätze. Davon elf für allgemeine Brände, 20 Waldbrände und zwar, vier im Hochwald, sechs Busch- zehn Feld und Rasenbrände. Acht KatastropheneinsätZe, davon fünf Überschwemmungen, eine Vermurung, zwei Erdbeben von je 4 bis 5 Tage Turnus in Trasaghis bei Gemona im Friaul. 23mal wurde technische Hilfe geleistet. Hier war die Notlage sehr mannigfaltig. Überschwemmte Heizräume, Tiefgaragen und Lagerräume. In diesem Jahr wurde auch die Jugendfeuerwehr ins Leben gerufen.

1977: Bei der Jahreshauptversammlung stellt der Kommandant neun junge Feuerwehrmänner, die alle schon den Grundlehrgang besucht hatten, vor. Somit steigt die Zahl der Aktiven auf 43 Wehrmänner. An Geräten werden weiteres ein Sprungkissen und zwei Hitzeanzüge vorgestellt. Außerdem wird ein Ausbau des Dachbodens im Gerätehaus als Bereitschaftsraum in Betracht gezogen.

1978: Dieses Jahr steht schon im Zeichen der 100 Jahrfeier. Ein Kleinlöschfahrzeug K.L.F. Vw/LT 35, ausgerüstet mit einer leistungsfähigen Pumpe Type V.W. Supermatic 120 wird zu diesem Anlass von der Gemeindeverwaltung angekauft und der Feuerwehr übergeben. Es soll als Gruppenfahrzeug das alte Geländefahrzeug ersetzen. Auch die Fahne wird angeschafft, sie soll bei der Jubelfeier eingeweiht werden.

             friuli